Reiseberichte von Besuchen bei "Let me be a child e. V." in Äthiopien



Auf unserer Seite "Reiseberichte" haben wir Reiseberichte von Vereinsbesucherinnen und Vereinsbesuchern, Praktikantinnen und Praktikanten sowie Vereinsmitgliedern publiziert. Diese Reiseberichte können sowohl von einem Besuch im ersten Projektstandort "Addis Abeba" als auch einem Besuch beim zweiten Projektstandort "Dojogena" stammen und sind von den Besucherinnen und Besucher natürlich selber verfasst und selber geschrieben.

Wir möchten mit der allgemeinen öffentlichen Publizierung dieser Reiseberichte den durch die Fotos erzeugten ersten Eindruck von der Vereinsarbeit und vom Vereinsleben in Äthiopien literarisch-emotional unterstreichen.  Somit hat jede Vereinsbesucherin und jeder Vereinsbesucher die schriftliche Möglichkeit, ihre/seinen eigenen persönlichen und individuellen Eindrücke, Emotionen und Erlebnisse auf unserer offiziellen Vereinshomepage www.direkte-kinderhilfe.de anderen Menschen mitzuteilen.

Eventuelle orthografische Fehler haben wir uns erlaubt dezent zu korrigieren, ohne dabei natürlich den Inhalt des Textes und/oder die Intention der Autorin/des Autors zu verändern.

Wir wünschen viel Freude beim Studium und beim Lesen der jeweiligen Reiseberichte!




Reisebericht Nr. 1

"Als Volunteer bei Let me be a child e. V. – Vielseitige und wertvolle Erinnerungen"

von Johanna Meyer

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Erfahrungsbericht von Johanna Meyer über die Zeit bei „Let me be a child“ von Januar bis April 2015:

"Der Kontinent Afrika interessierte und faszinierte mich schon lange. Auf dem Weg, Lehrerin zu werden überkam mich in der Mitte meines Studiums immer mehr das Bedürfnis, dorthin zu reisen und einmal etwas ganz „anderes“ kennen zu lernen, als alles was ich aus meinem Alltag in Deutschland kenne oder hier kennen lernen könnte. Über Bekannte wurde ich schließlich auf das Projekt „Let me be a child e. V.“ in Äthiopien aufmerksam.

Drei Monate durfte ich Teil dieses Projekts sein und dabei Land und Leute, Kultur und Leben Äthiopiens kennen lernen. Zu Beginn war natürlich wirklich vieles anders und zum Teil sehr gewöhnungsbedürftig für mich. Durch die Hilfsbereitschaft und herzliche Art der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von „Let me be a child“ konnte ich mich aber schnell orientieren und einleben. Ich habe mich von Beginn an gut aufgehoben, wohl und „zu Hause“ gefühlt. Vor allem die gesellige Art der Äthiopier habe ich während meines Aufenthalts schätzen gelernt. Oft erinnerte ich mich an den Buchtitel „In Afrika war ich nie allein“ und fand mich darin wieder. Weil einige der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von „Let me be a Child“ miteinander verwandt sind, herrscht im Projekt eine sehr familiäre, vertraute und entspannte Atmosphäre.

Mit den Erwachsenen klappte die Verständigung auf Englisch einigermaßen gut, stellte jedoch ab und an auch Schwierigkeiten dar. Teilweise, vor allem mit den Kindern, musste man sich aber tatsächlich „mit Händen und Füßen“ behelfen. Auch die Unterschiede in Mentalität und Gewohnheiten, die auf unsere jeweils unterschiedlichen kulturellen Hintergründe zurückzuführen sind, machten sich natürlich bemerkbar und brachten ab und zu Verständnisschwierigkeiten, Missverständnisse oder Skepsis (vermutlich auf beiden Seiten) mit sich. Diese Hürden zu überwinden, war zunächst eine Herausforderung, letztendlich aber auch kein großes Problem und vor allem eine interessante und lehrreiche Erfahrung für mich. Meist habe ich es als unheimlich spannend und interessant empfunden, diese andere Kultur und Mentalität kennen zu lernen!

Vor allem die Kinder des Projekts habe ich ins Herz geschlossen. Besonders von dem Vertrauen, das einige mir entgegen brachten, obwohl sie mich erst seit kurzer Zeit kannten, war ich gerührt. Zwar stellte die Sprache eine nicht zu unterschätzende Barriere dar, aber da sein konnte ich für die Kinder trotzdem – einfach bei ihnen sitzen, mitspielen und bei Bedarf auch mal in den Arm nehmen. Oft las ich den Kindern englische Kinderbücher vor und fragte mich dabei anfangs, wie viel sie eigentlich vom Inhalt verstanden und was sie davon hatten, dass ich ihnen in fremder Sprache irgendetwas erzählte. Ich stellte jedoch fest, dass es den Kindern gar nicht so sehr um das Hören und Verstehen einer Geschichte ging, sondern sie es einfach total genossen, dass da jemand ist, der einfach bei ihnen ist und sich mit ihnen beschäftigt.

Mit einigen Kindern versuchte ich verstärkt englisch zu sprechen, um ihnen Sprachpraxis zu geben, da ich das Gefühl hatte, dass sie in der Schule nur Grammatik auswendig lernten, aber die Bedeutung dessen nicht erfassen und die Sprache daher kaum anwenden und sprechen konnten. Anfangs hatte ich den Eindruck, dass die Kinder gar keine Lust hatten, sich damit auseinander setzen zu müssen und ihr Nichtkönnen vertuschen wollten. Mit der Zeit merkte ich aber, wie sehr die Kinder irgendwann darin aufgingen, wenn ich mit ihnen in kleinen Grüppchen zusammen saß und wir Englisch übten. Ich bekam den Eindruck, dass sie erst begreifen und sich absichern mussten, dass da jemand ist, der sich Zeit für sie nimmt und sich Mühe gibt, damit sie etwas lernen. Das schien für sie nicht selbstverständlich zu sein. Diese Erfahrung mit den Kindern zu machen, hat mich wirklich sehr berührt.


Ich muss zugeben, dass ich anfangs überrascht war: Die Kinder des Projekts wirkten auf den aller ersten Blick nicht so „arm“, wie ich es erwartet hatte. Es waren nicht die abgemagerten Kinder mit Hungerbauch und flehendem Blick (zugegeben etwas plakativ ausgedrückt), wie sie uns in Deutschland teilweise noch immer von den Plakaten einiger Hilfsorganisationen anschauen, sondern fröhliche, wohlgenährte Kinder und Jugendliche, die Spaß am Leben zu haben schienen. Ich denke, dass „Let me be a child“ einiges geleistet hat, um den Kindern diese Entwicklung zu ermöglichen! Außerdem habe ich mir nach diesem ersten Eindruck die Frage gestellt, was „arm sein“ eigentlich bedeutet. Schnell merkte ich daraufhin, dass das äußere Erscheinungsbild nicht wirklich widerspiegelt, woran es den Kindern fehlt. Arm oder elternlos zu sein, wie die Kinder bei „Let me be a child“, äußert sich nicht nur durch Hunger, kaputte Kleidung oder dem fehlendem Dach über dem Kopf, sondern wirkt sich auf ganz verschiedene Weise auf einen Menschen, vor allem auf Kinder, aus. „Let me be a child“ versorgt die Kinder natürlich mit lebensnotwendigen Gütern, stellt darüber hinaus aber auch einen Familienersatz für sie dar. Der Name des Projekts scheint Programm!


Ich hatte den Eindruck, dass den Kindern durch den Besuch bei „Let me be a Child“ tatsächlich ermöglicht wird „Kinder“ sein zu können: Durch das Miteinander im Projekt teilen sie ihre Sorgen und Ängste und scheinen diese so nicht nur verarbeiten, sondern zum Teil beiseite legen und einfach mal „Kinder sein“ zu können. Sie bekommen die Chance sich mit Dingen zu beschäftigen, mit denen sich Kinder und Jugendliche ihres Alters eben beschäftigen und können durch die Angebote im Projekt ihren je eigenen Charakter entwickeln, stärken und Interessen nachgehen. So hat das Projekt einen wesentlichen Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder, was in meinen Augen mindestens genauso bedeutend ist, wie beispielsweise ausreichende Ernährung. Diese Erkenntnis war für mich die wohl bedeutendste der Zeit in Äthiopien und bei „Let me be a child“.


Ein Beispiel des Programms von „Let me be a child“, das mich besonders berührt hat, war der wöchentliche Besuch eines Theaterlehrers, der mit den Kindern Improvisationstheater spielt. Die Kinder überraschten mich dabei sehr mit ihrem großen Einfallsreichtum, gingen in ihren Rollen auf und schienen riesen Spaß am Schauspielern zu haben. Vor allem hatte ich aber den Eindruck, dass sie dabei gemeinsam ihre Schicksale verarbeiteten. In einer Theaterstunde spielten die Kinder (aus eigenem Antrieb) die Geschichte zweier Geschwister, deren Mutter stirbt. Sie weinten während des Stückes, lagen sich in den Armen und zeigten wahnsinnig starke und überzeugende Gefühle, lachten aber sobald das Stück zu Ende war wieder gemeinsam über ihr Spiel. Es schien als könnten sie ihren Gefühlen im Rahmen des Theaterstücks freien Lauf lassen und offen miteinander trauern, diese Gefühle anschließend aber wieder zur Seite legen. Diese Beobachtung hat mich sehr beeindruckt.

Vor allem beschäftigte ich mich während meiner Zeit bei „Let me be a Child“ damit, die sanitären und hygienischen Bedingungen im Projekt auszubessern, half bei der Ausstattung einer Schulbuchsammlung oder widmete mich direkt den Kindern zum Beispiel mit dem erwähnten Englischlernen und Vorlesen oder mit unterschiedlichen Mal- und Bastelangeboten. Sowohl beim Englischlernen und Vorlesen als auch mit jeglichen Spiel- oder Bastelangeboten stieß ich fast immer auf sehr große Begeisterung, Wissensdurst und Neugier seitens der Kinder. Das freute mich natürlich sehr. An einem bestimmten Punkt merkte ich allerdings, wie wenig solcher Angebote an für uns alltäglichen Beschäftigungen die Kinder dort offenbar haben. Das machte mich sehr traurig, da das Fehlen an diesen eigentlich einfachen Angeboten vermutlich einen wesentlichen Anteil an der mangelnden Bildung im Land hat...


Insgesamt war die Zeit bei „Let me be a child“ sehr beeindruckend und prägend für mich! Ich habe viele Erinnerungen – sowohl schöne als auch erschreckende, vor allem jedoch lehrreiche – mit nach Hause genommen. Ich habe nicht nur viel über das Land und die vielfältigen Kulturen Äthiopiens gelernt, sondern auch einiges über mich selbst. Mein Weltbild hat sich in dieser Zeit, so stelle ich nun zurück in Deutschland fest, was gewisse Dinge betrifft sehr verändert. Über Fragen danach, was im Leben wirklich wichtig ist oder was „Armut“ tatsächlich bedeutet, denke ich nun sicherlich anders als noch vor ein paar Monaten.

Vor allem habe ich gelernt wertzuschätzen, welche Möglichkeiten und Chancen ich in meinem Leben dadurch habe, dass ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin und wie viel einfacher mein Leben in vielerlei Hinsicht ist. Als angehende Lehrerin beschäftigt mich besonders der Wert von Bildung: Mir ist durch meinen Aufenthalt in Addis Abeba sehr deutlich geworden, wie wichtig Bildung und dafür ausreichende Lernangebote sind und wie erschreckend wenig selbstverständlich sie für einige Kinder vorhanden sind.

„Let me be a child“ ist in meinen Augen ein tolles Projekt, das Großartiges geleistet hat und hoffentlich auch in Zukunft leisten wird. Vielen Menschen, Kindern und Mitarbeitern, werden durch das Projekt Chancen gegeben, die ihnen nicht nur einfach das Überleben ermöglichen oder erleichtern, sondern ihre Persönlichkeitsentwicklung unterstützen. Vor allem fand ich es sehr schön und beruhigend zu sehen, dass die Spenden des Vereins hier offenbar wirklich direkt bei den Kindern landen und nicht durch irgendwelche Verwaltungsausgaben oder Ähnliches abhanden kommen.

Ich möchte mich bei allen Projektmitarbeitern und -Mitarbeiterinnen und vor allem auch den Kindern für die tolle gemeinsame Zeit, die Hilfe und Freundschaft sowie die Eindrücke und die Erfahrungen, die ich mitgenommen habe, bedanken!

Ich hoffe, dass ich genauso etwas geben und dalassen konnte, wie ich bekommen habe!"






Reisebericht Nr. 2

"Reisebericht vom 3. Äthiopienaufenthalt im November 2011"

von Traudl Hofmann



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"Die ersten paar Tage verbrachten wir in Addis in Projekt 1 bei den uns vertrauten Kindern und Mitarbeitern. Hier herrschte ein reges Treiben. Alle waren mit Vorbereitungen für die lange Busfahrt nach Doyogena, zum großen Eröffnungsfest von Projekt 2 beschäftigt. Alle waren aufgeregt denn so eine tolle Busreise, noch dazu mit Übernachtung im neu gebauten Tagesheim, kommt nicht gerade alle Tage vor. Auf der ganzen Fahrt sangen, klatschten, trommelten und tanzten die Kinder in ausgelassener und fröhlicher Stimmung.

Das neue "Let me be a child"-Gelände in Doyogena beeindruckte uns außerordentlich. Vor 3 Jahren zeigten uns die örtlichen Gemeinderäte den Standort, also grüne Wiese mit Eukalyptusbäumen. Im letzten Jahr bewunderten wir die große Baustelle, und dieses Mal durften wir das fertige Anwesen unseres 2. Kinderprojektes auf dem Lande bewundern.

Die beiden großen Gebäude (Kinderhaus und Gästehaus) nach den Plänen und Entwürfen von Marius Bierig, unserem Vereinsgründer erbaut, sind wunderschön geworden. Die Dorfbewohner haben wohl noch nie so große und schöne Gebäude gesehen. Allerdings muss das ganze Anwesen durch eine hohe Mauer geschützt sein, dafür schmückt ein wunderschönes schmiedeeisernes Tor den Eingang. Hier haben die neuen Kids genug Platz zum Spielen. Außerdem dürfen künftig an den Samstagen auch Kinder von außerhalb zum Fußballspielen usw. ins Projekt herein.

Circa 50 Kinder fanden Aufnahme im neuen Tagesheim. Gleich nach unserer Ankunft verteilten wir zu viert Klamotten an die neuen, schüchternen Kinder. Auch für die neuen Mitarbeiter hatten wir genug dabei. Die Kinder zu beschenken ist die größte Freude. Auch Fußbälle und Süßigkeiten wurden von Gästen aus Deutschland verteilt.

Die „Opening-Ceremony“ war für uns ein ganz großes Erlebnis. Schon lange standen alle Kids mit äthiopischen Fähnchen in den Händen Spalier, um die „prominenten“ Gäste aus Deutschland und Äthiopien zu begrüßen. Das ganze Gelände war mit Girlanden in den Farben der äthiopischen Flagge geschmückt. Alle trugen Schildkappen mit der Aufschrift „Let me be a child“.

Aus der näheren Umgebung waren alle wichtigen Persönlichkeiten (Dorfälteste, Bürgermeister, Gemeinderäte) eingeladen.

Etagegne Bierig, unsere Vereinsgründerin, trug zur Feier eine wunderschöne äthiopische Tracht und hielt ihre Ansprache vor den Gästen in amharisch über Entstehung, Verlauf und Entwicklung von "Let me be a child". Es folgten noch etliche Reden, zum Beispiel von Marius Bierig in englischer Sprache, von Etagegnes Bruder Balatchow (Lehrer und Lachtherapeut) und weiteren wichtigen Personen. Balatchow war sozusagen der Moderator für Begrüßungen, Ehrungen und Ansprachen.

Einheimische Vortragsredner aus Doyogena dankten Etagegne und Marius für ihr Lebenswerk, ihren Einsatz für arme Menschen in Äthiopien. Einer meinte, man müsse fortan die Tradition, an der bei der Geburt eines weiblichen Kindes nur dreimal mit lautem Zungenschlagen jubiliert wird, ändern und ebenfalls genauso oft jubeln wie bei der Geburt eines Knaben, weil Etagegne als Frau so Großes geleistet hat. Über diesen Vorschlag lachten alle recht herzlich.

Natürlich freuten sich nach Beendigung des offiziellen Teils alle Gäste auf das herrliche äthiopische Buffet.

Es ist eine Freude, was inzwischen aus unserem Projekt geworden ist. Unsere Kinder in Addis entwickeln sich sehr gut. Viele sind schon fast „junge Erwachsene“, die heuer mit ihrer Ausbildung beginnen. Einige unserer jungen Leute befinden sich bereits im Selam-Berufsausbildungszentrum in Addis Abeba.

Schon zweimal besuchten wir diese große Ausbildungsstätte, die 1986 vom Schweizer David Röschli gegründet wurde. Die älteste Adoptivtochter Zahai gründete ebenfalls vor 25 Jahren ein Waisenhaus für ärmste Kinder, die ihre Eltern durch Bürgerkrieg, Krankheit oder Dürre verloren hatten. Wir hatten das Glück, dass während unseres Addis-Aufenthalts die große Silber-Jubiläumsfeier des Selam-Kinderzentrums von Zahai Röschli stattfand. Auf dem gesamten Geländer herrschte bei schönem Wetter eine ausgelassene und fröhliche Stimmung.

Wir besuchten auch verschiedene Schulklassen in Addis, in die einige unserer Kinder gehen und fragten die Lehrer nach dem jeweiligen Thema, das sie gerade lehren. Wir durften auch fotografieren.

Insgesamt ist es wunderbar, ein stückweit miterleben zu dürfen, wie unsere Kinder heranwachsen und langfristig wirklich eine Perspektive haben. Die älteren unserer Kinder sprechen inzwischen auch viel besser Englisch als noch vor 3 Jahren, ebenso die Mitarbeiter. Das erleichtert die Verständigung in erheblichem Maße.

Abschließend bedanke ich mich aufs allerherzlichste bei Etagegne und Marius Bierig für die großartige Arbeit, die sie von Deutschland aus und natürlich vor Ort für Äthiopien leisten.

Herzliche Grüße von Traudl Hofmann"





Reisebericht Nr. 3

"Reisebericht vom 2. Äthiopienaufenthalt im Juli 2010"

von Traudl Hofmann



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"Die Kinder von "Let me be a child" kennen mich alle von meinem ersten Besuch im Projekt im Jahr 2008.

Schon nach ganz kurzer Zeit war die alte Vertrautheit wieder da und vor allem die Kleineren bestürmten mich täglich, mit ihnen zu singen, zu spielen und zu tanzen. Zum Zeitpunkt meines Besuches waren gerade Schulferien und die Kinder hielten sich den ganzen Tag auf dem Projektgelände auf. Meine Schwägerin, Renate Hofmann-Mayr, (Deutsch-Englisch-Lehrerin), die diesmal mit mir angereist war, und Dörte Kuhrt, Abiturientin aus Glücksburg (war mit Projektgründerin Etagegne Bierig gekommen), nutzten die Zeit,um den größeren Kindern Englischunterricht zu erteilen. Dazu kaufte Renate extra geeignete Bücher und Hefte in Addis. Die Kinder sind sehr motiviert, die englische Sprache zu lernen.

Unser Projekt verfügt inzwischen auch über eine kleine Bücherei mit englischen Texten. Der 16jährige Haile las mir ganz stolz die Weihnachtsgeschichte aus einem der Bücher vor.

Während unseres 14tägigen Besuches war gerade Regenzeit, und es goß dementsprechend mehrmals täglich in Strömen. Danach schien aber gleich die Sonne, und die Kinder konnten sich wieder draußen aufhalten.

Unsere Projektgründerin und Freundin, Etagegne Bierig, ist ja in Addis immer unterwegs, um für das Projekt Dinge zu organisieren, zu prüfen, einzukaufen, Bank- oder Mitarbeiterangelegenheiten zu tätigen, und vieles mehr. Trotzdem nahm sie sich die Zeit, um uns 3 Gästen (Renate, Dörte und Traudl) interessante Plätze in Addis zu zeigen, z.B. auch andere Projekte.

Renate und ich organisierten einen Bus-Ausflug aufs Land zu heißen Quellen (Sodere) mit großem Schwimmbad, für alle Kinder und Mitarbeiter des Projektes, und- oh Wunder- trotz Regenzeit hatten wir den ganzen Tag strahlend heißes Wetter. So viel ich weiß, waren unsere Kinder erst zwei mal in ihrem Leben in einem Schwimmbad. Unser fleißiges Küchenteam hatte für alle vorgekocht und das Essen in Plastikeimern mit Deckel mitgebracht. Unterwegs musste unser Bus in einem Dorf anhalten, weil unsere Köchinnen die Schöpflöffel zuhause vergessen hatten.


Das Picknick im Schwimmbad war ein Erlebnis für sich. Ansonsten hielten sich die Kinder fast nur im warmen Wasser auf.

Unser erster Junge - Zahaie - absolviert inzwischen eine Ausbildung in der Metallverarbeitungsbranche. Die Ausbildungsstätte heißt "Selam College" und wurde 1986 von einem Schweizer gegründet. Es ist eine blitzsaubere große Anlage und laut Marius Bierig können hier alle unsere Kinder eine Ausbildung absolvieren. In Selam College können unsere Jugendlichen für 35 € im Monat ganz unterschiedliche Berufe erlernen, nicht nur in der Metallverarbeitung.

Abschließend kann ich sagen: unser Projekt "Let me be a child" ist erfolgreich und verbessert sich ständig. Die Kinder entwicklen sich frei und ohne Angst und haben Dank der Ausbildungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel in "Selam College" wirklich eine Perspektive für die Zukunft.

Nicht vergessen darf ich natürlich unseren baldigen zweiten Standort auf dem Land (zwei Autostunden von Addis entfernt). Hier entsteht zur Zeit in traumhafter, hügeliger, grüner Landschaft (Doyogena) ein Tagesstättengebäude für weitere 44 Kinder und ein Gästehaus. Die Mitarbeiter arbeiten fleißig, sogar ein Gemüsegarten existiert schon, damit eventuell im Oktober 2011 die "Inbetriebnahme" stattfinden kann. Bei unserem Besuch auf der Baustelle kamen viele, viele sehr zerlumpte Kinder, aber fröhlich lachend herbeigerannt, um uns "weiße Menschen" zu bestaunen.

Ja, es gibt noch viel zu tun, aber es macht so viel Freude helfen zu können, es lohnt sich wirklich!

Alles Gute und Gottes Segen für 2011 wünscht Traudl Hofmann (Projektmitbegründerin aus Würzburg)"






Reisebericht Nr. 4

"Besuch beim 1. Projektstandort von "Let me be a child" in Addis Abeba"

von Kinderbuchautorin Nasrin Siege



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"Wenn in Deutschland und auch im übrigen Europa Weihnachten gefeiert wird, befinden sich die meisten christlichen Äthiopier immer noch in der 43 Tage langen Fastenzeit, in der sie sich spirituell auf das Fest zur Geburt Christi, nach ihrem Kalender am 7. Januar, vorbereiten.

So kommt es, dass Etagegne Girma-Bierig zweimal im Jahr Weihnachten feiert: Im Dezember mit ihrem deutschen Mann und den vier gemeinsamen Kindern in Langballig bei Flensburg und im Januar in der „Insel“ in Addis Abeba.

Etagegne und Marius Bierig haben zusammen mit deutschen und äthiopischen Freunden 2004 den deutsch-äthiopischen Verein „Let me be a child eV.“ gegründet. Seitdem werden in der „Insel“, einem kleinen Haus in der Hauptstadt Äthiopiens, die inzwischen 43-köpfige Gruppe von verwaisten Kindern und solche aus sehr armen Familien rundherum versorgt. Etagegne reist mehrmals im Jahr nach Addis Ababa und kümmert sich vor Ort um die Belange des Projekts.

Am 6. Januar 2010 – dem unserem Heilig Abend entsprechenden Tag von Weihnachten - feierte sie nun mit ihrer großen äthiopischen Familie, der Kinderschar der „Insel“, den sehr engagierten Mitarbeitern und mit Freunden das äthiopische Weihnachtsfest. Sie hatte den Kindern Geschenke aus Deutschland mit gebracht und zum Festtag hatte der Verein „Hilfe für Afrika eV“, der das Projekt unterstützt, ein Schaf gespendet. Freunde hatten das Fest mit Kuchen und Süßigkeiten versüsst.

Die Kinder selbst hatten eine Überraschung vorbereitet, die sie nach dem leckeren äthiopischen Essen, präsentierten: Ein Theaterstück, das sie selbst geschrieben haben und in dem sie das Leben eines Mädchens darstellen, das aufgrund ihrer Lebensumstände, auf der Straße landet.

Rihana, die Erzählerin des Theaterstücks, sagte dann auch zur Einführung und an Etagegne gewandt, dass dieses Theaterstück ihr Weihnachtsgeschenk für sie sei, denn Etagegne hätte ihnen geholfen, dass sie nicht, so wie das Mädchen in dem Stück, leiden müssten."





Reisebericht Nr. 5

"10 Wochen Afrika"

von Anna Lucassen

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"Acht Betten, acht Matratzen, Wellblech, Decken und fünf Personen befanden sich auf der Ladefläche eines kleinem rostigem Pick-Up, während ich als Frau zusammen mit Etagegne (aufgewachsen in Äthiopien, lebt seit 18 Jahren in Deutschland) vorne beim Fahrer Platz nehmen durfte. Mit diesem überfülltem Wagen sind wir über die teils sehr schwer zu befahrene Straßen Addis Abebas gefahren. Das Ziel waren mehrere Hütten in den Gassen der Hauptstadt, in denen die Kinder von „Let me be a child e.V.“ ihr Zuhause bei Freunden, Verwanden oder Nachbarn haben.

Ich stellte schnell fest, dass überfüllte Pick-Ups keine Seltenheit im täglichen Leben Äthiopiens sind. 10 Wochen Praktikum in einer für mich anderen Welt haben mich geprägt. Die Musik, der Geruch, die Sprache und viele andere Aspekte lassen mich Äthiopien niemals vergessen. Dass ich diese Chance meines Lebens bekam, verdanke ich in erster Linie Etagegne Girma-Bierig, die Vorsitzende des Vereins „Let me be a child e.V.“. Sie vermittelte mir einen Praktikumsplatz in einem Waisenhaus ganz in der Nähe des Hauses von „Let me be a child e.V.“. Dort arbeitete ich täglich bei den durchschnittlich zwanzig Säuglingen. Während meiner langen Mittagspause sowie am Wochenende hielt ich mich oft bei den Kindern und Mitarbeitern von „Let me be a child e.V.“ auf.


Die Kinder zeigten mir ein paar Spiele wie zum Beispiel Plumpssack (sie spielen es fast genauso wie deutsche Kinder, bloß schneller) oder Verstecken und ich zeigte ihnen einige, die ich kannte. Adissu und Hanna (Mitarbeiter) hatten sogar ab und zu Zeit, mit mir in die Stadt und auf die Märkte zu gehen. Auf den Märkten preisen die Händler lautstark ihre Waren, welche schlicht an der Strasse präsentiert werden, an. Es wird um Kleidung, Tiere und Möbel lange gefeilscht, bis sich beide Partein einigen konnten. Adissu hat oft für mich einen guten Preis ausgehandelt, indem er lange diskutiert hat und dann Kopf schütteln gegangen ist, um nur darauf zu warten, dass ihn der Händler zurück holt, um ihm ein besseres Angebot zu machen. Wenn Hanna und ich gemeinsam mit der Köchin in der kleinen Küche gekocht haben, war ich immer wieder erstaunt, mit wie wenigen Mitteln diese taubstumme, starke Frau für 19 Kinder jeden Tag drei Mahlzeiten zubereiten konnte.

Etagegne war zur selben Zeit in Äthiopien, da sie zu dem Zeitpunkt auf der Suche nach einem größeren Haus für die Kinder war, um noch mehr Kinder aufnehmen zu können. So hatte ich immer eine Ansprechpartnerin, die sowohl amharisch als auch deutsch sprechen konnte. In Äthiopien, waren alle so freundlich und auch hilfsbereit zu mir, weshalb es mir als Deutsche nun noch peinlicher ist, wenn hier Deutsche Ausländerfeindlich sind!

Als wir die Betten in den Wellblechhütten aufbauten, spürte man die Freude der Familienmitglieder sehr. „Let me be a child e.V.“ unterstützt nicht nur die aufgenommen Kinder, sondern auch deren Familien. Deshalb bekam jedes Kind ein Doppelbett, damit auch die anderen Familienmitglieder darin Platz finden können. Zum ersten Mal schliefen sie in der darauf folgenden Nacht in einem Bett. Die Freude war riesig bei allen Familienmitgliedern.

Was mich sehr beeindruckt hat, war, wie die Kinder und Mitarbeiter mich haben teil nehmen lassen am Geschehen. Sie haben mich wie eine von ihnen behandelt. Ich fühlte mich immer sehr wohl, wenn ich dort war.

Ich weiß, wie schwer es für junge Leute ist, nach Afrika reisen zu können um sich zu engagieren und den Kontinent zu erleben, deshalb ist es für mich und hoffentlich auch noch für viele andere Jugendliche eine große Bereicherung, dass „Let me be a child e.V.“ dieses ermöglichen kann."






Reisebericht Nr. 6

"Kurzbericht über unseren Besuch in Äthiopien im Mai 2007"

von Hanna und John Lorenzen aus Kruså in Dänemark



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"Im Jahr 2005 haben wir ein paar Tage in Addis Ababa verbracht, nachdem wir unseren Sohn in Nairobi besucht hatten.

Wir waren damals sehr betroffen zu sehen, dass die meisten Menschen dort in sehr armseligen Verhältnissen lebten. Der Lebensstandard war äußerst niedrig. Viele Äthiopier hatten weder Ausbildung noch Arbeit, viele Kinder schienen auf der Straße zu leben.

Kurz nach unserer Rückkehr in unser sicheres, gut organisiertes Leben lasen wir in unserer Tageszeitung „Flensborg Avis“ einen Bericht über das  deutsch-äthiopische Projekt „Let me be a child“, das von dem Ehepaar Girma-Bierig aus Langballig ins Leben gerufen worden war. Wir hatten sofort den Eindruck, dass dies ein Projekt war, das wir gerne unterstützen wollten, denn die Not in Addis Ababa war enorm.

Und so begann alles. Wir setzten uns mit Etagegne und Marius in Verbindung, denen das Schulprojekt am Herzen liegt und die bis Juni 2007 ihr eigenes Haus in Addis für die „Insel“ zur Verfügung gestellt haben. Die Dinge entwickelten sich weiter; wir hörten davon, dass ein eigenes größeres Haus für das Tagesheim gekauft werden sollte, und fassten den Entschluss, das Projekt zu besuchen und dies mit einer Reise durch Äthiopien zu verbinden.

Anfang Mai kamen wir in Addis an und wurden am Flughafen herzlich begrüßt von Etagegne und weiteren Mitarbeitern. Diesen herzlichen Empfang und die Blumen werden wir immer in Erinnerung behalten!

Natürlich haben wir die „Insel“ sofort an unserem ersten Tag besucht. Wir trafen auf fröhliche Kinder, die uns lächelnd begrüßten und uns gleich ihre Arbeiten zeigen wollten: Zeichnungen und Steinmetzarbeiten. Schon diese Art der Begrüßung machte uns deutlich, dass man schon mit kleinen Dingen die Interessen von Kindern verändern und sie zu Neuem inspirieren kann, ganz gleich, aus welchem sozialen Umfeld sie kommen.

Das zeigte sich auch später, als die Kinder für uns und einige andere Besucher ein Theaterstück vorführten, das sie selbst mit Hannas Hilfe erdacht und eingeübt hatten. Das Thema war: Bleib nicht auf der Straße und beteilige dich an den schlimmen Dingen, die dort vorgehen – komm’ und sieh dir an, was hier in der „Insel“ angeboten wird. Das Ganze wurde natürlich von Trommeln und Tanz begleitet.

Die ersten Eindrücke bewiesen uns sofort, dass unsere Beteiligung am Projekt die richtige Entscheidung war. An den folgenden Tagen besuchten wir das Tagesheim jeden Tag und begegneten den engagierten Mitarbeitern. Dank ihrer Fröhlichkeit und Hilfsbereitschaft fühlten wir uns sehr gut aufgehoben, und es fiel uns auf, wie viel diese Haltung auch für die Kinder bedeutete.

Eine besondere Situation war natürlich, dass die Aussicht bestand, ein größeres Haus zu kaufen. Wir besichtigten das Objekt, bevor der Vertrag unterschrieben wurde. Es ist schwierig, unsere ersten Eindrücke wiederzugeben – die negativen überwogen fast. Das Grundstück ist kleiner, aber das Haus sehr viel größer als das alte, und es bietet vor allem viele Möglichkeiten, wie Etagegne betonte. Und nachdem die Renovierungsarbeiten schon während unseres Aufenthalts begannen und wir die neuesten Bilder gesehen haben, können wir dem nur zustimmen.

Alles wurde erneuert, angefangen von dem Rasen und neuen Platten rund ums Haus über neue Fenster, frische Anstriche bis zu einer neuen Küche und neuen Sanitäreinrichtungen. Dazu kommen noch viele andere Dinge, die das Haus zu einem schönen, modernen Platz für die Kinder machen. Es wurden weitere Kinder aufgenommen, und wir denken, dass jetzt 30 bis 35 Kinder dort betreut werden.

Unsere große Anerkennung gilt der Arbeit von Marius und besonders Etagegne, die mehrmals nach Addis reiste und neben den schwierigen Kaufverhandlungen und Renovierungsarbeiten am und im Haus auch noch viele bürokratische Hürden überwinden musste, um „Let me be a child“ nach äthiopischem Recht zu einer „NGO“ (non-governmental organization) zu machen – großes Kompliment für alles, was sie erreicht hat!

Wir haben uns auch gefreut, mehrere Mitglieder des äthiopischen Vereins kennenzulernen. Das Projekt kann von ihrer Arbeit sicherlich profitieren.

Äthiopien ist ein wunderschönes Land. Wir hatten das Glück, einen ganz kleinen Teil des Südens zu besuchen und dann eine historische Reise in den Norden zu machen. Dabei haben wir die Fälle des Blauen Nils, Gonder, Lalibela und Axum gesehen. Viel gäbe es über diese Orte zu berichten – aber fahrt selbst hin, dann könnt ihr nachempfinden, was wir erlebt haben!

Wir sind sicher, dass wir Äthiopien wieder einmal besuchen werden!

Hanne und John Lorenzen (Kruså, Dänemark)"